6. März 2006 (IT Reseller 04/2006)

Karl Hoppler - Hansdampf in allen Gassen
 

Karl Hoppler, der CEO von Bison Systems, verdankt seinen Erfolg einem grossen persönlichen Beziehungsnetz. Er sprüht mit  vor Energie, bereitet sich aber darauf vor, kürzerzutreten. IT Reseller hat er anvertraut, was er noch für Pläne mit Bison Systems hat.
Karl «Kari» Hoppler (Bild) ist in seiner Heimat Sursee mindestens so bekannt wie der Stapi, und auch über die ­Region Zentralschweiz hinaus kennt man ihn. Der Mann, der die Rolling Stones liebt, hat mit Mick Jagger nicht nur das Geburtsjahr gemeinsam. Hoppler ist, um bei dem Vergleich zu bleiben, wie der Stones-Frontmann eine «Rampensau».
«Etwas Show gehört dazu», sagt er, als wir in der Tiefgarage des Bison-Hauptsitzes in Sursee in seinen Mercedes einsteigen. «Die Karre hat 460 PS, es spornt die Mitarbeiter an, wenn sie sehen, dass sich der Einsatz auszahlt.» Sein Werdegang ist in der Tat eine Erfolgsgeschichte. Nach seiner Ausbildung als Statiker und Aufenthalten in den USA und London arbeitete er bei IBM und wechselte 1970 als IT-Leiter zur VLGZ. «IBM hat mich damals quasi mit der neuen 360/20 mitgeliefert», sagt er. 1974 gründete er die Firma Data-Unit und 1983 die Agro-Data. Unterstützt wurden diese Vorhaben nicht zuletzt durch die VLGZ, die heutige Fenaco. «Es war am Anfang nicht leicht, als Zentralschweizer IT-Unternehmen Dienstleistungen anzubieten. Die Kunden fanden, es sei mit dem Standort Sursee und dem Namen Agro-Data etwas viel Kuhmist auf einem Haufen.»
 

Das Vorhaben gelang aber trotzdem, die Agro-Data wuchs stetig, war immer erfolgreich und fusionierte im Jahr 2001 zur Bison Group. Heute macht Bison Systems mit 160 Mitarbeitern in Sursee, Winterthur und Bern rund 90 Mio. Franken Umsatz und gehört zu 70 Prozent der deutschen PC-Ware. Sein jüngster Coup ist die Gründung einer Niederlassung in Basel, die am 1. April eröffnet wird (IT Reseller berichtete).
Ideen aus dem Alltag Hoppler ist ein Patron wie er im Buche steht. Noch immer ist er an vielen regionalen und lokalen Anlässen anzutreffen. So ist er in diversen Clubs und Vereinen mit dabei, ist Mitglied in 14 Donatorenclubs, und schliesslich ist der begeisterte Tennisspieler Ehrenpräsident des Tennisclubs Sursee. Diese ihm eigene Geselligkeit und Kontaktfreudigkeit ist ein wichtiger Grundpfeiler seines beruflichen Erfolgs.
 

So kam auch seine jüngste Geschäftsidee durch Kontakte und den direkten Draht zu den Menschen und ihren Problemen im Alltag zustande. Hoppler bereitet seine neueste Dienstleistung vor, die zu einem festen Bestandteil des Angebots werden soll: Die Konvergenz von IT und Unterhaltungselektronik: «Mit einer modernen Vernetzung im Wohnbereich und einem Media-Center wird der Bildschirm zum zentralen Informationsmedium für TV, Video, Fotos und Internet. Ein Einfamilienhaus hat heute Anforderungen wie ein KMU. Es braucht Vernetzung von verschiedenen Geräten, Telefonie, Security etc.»
Hoppler ist fest davon überzeugt, dass die Unterhaltungselektronikhändler und auch die Elektrotechniker mit den neuen Technologien überfordert sind und es deshalb eine Firma wie
Bison Systems braucht, die sich mit Profis des Problems annimmt. «Ein Media-Center ist schliesslich nichts anderes als ein PC. PCs sind immer interessant fürs Geschäft, denn sie funktionieren nie.»
Den Schritt in die UE-Branche will Hoppler aber nicht direkt angehen. Er plant, mit Retailern wie Expert, Fust oder Media Markt zusammenzuarbeiten. Letztere sollen den Kunden die Produkte und Dienstleistungen verkaufen, während
Bison Systems im Hintergrund mit ihren über 80 Netzwerk- und Kommunika­tions-Technikern in der gesamten Deutschschweiz die Installationen und Services übernehmen wird. 

Moneycab Interview                                             Von Helmuth Fuchs 

CEO Interviews Karl Hoppler, CEO BISON Systems:

„Nachhaltiges Wachstum gibt es vor allem bei Wartungs- und Dienstleistungsaufträgen“. Seit fast dreissig Jahren ist er an entscheidenden Positionen in der Schweizer Informatikszene am     Wirken und hat mit grossem persönlichen Einsatz dazu beigetragen, dass Sursee vom Landwirtschafts- zum Informatikzentrum wurde.     Auch heute denkt Karl Hoppler noch lange nicht ans Aufhören.      Welche Pläne er noch hat, wie er die technologische Entwicklung beurteilt und wie seine BISON Systems der Konkurrenz trotzen kann, erklärt er im Moneycab Interview. 

Herr Hoppler, 1983 haben Sie die AGRO-DATA AG gegründet, aus der nach der Fusion mit der BF-Gruppe (Sempach-Station) die BISON Schweiz AG entstand. Im Jahre 2002 wurde dann die BISON Systems AG gegründet mit dem Hauptaktionär PC-Ware Information Technologies AG (Leipzig, D). Was war der Beweggrund, die Aktienmehrheit an PC-Ware zu übertragen? 

Karl Hoppler: Die Mehrheit gehörte der Fenaco, einer Unternehmensgruppe der Schweizerischen Agrarwirtschaft. Wir gehörten daher nicht zu ihrem Kerngeschäft. Die Idee international aufzutreten und unser Wissen in einen europäischen Konzern einzubringen hatte einen grossen Reiz. Ausserdem konnten wir so zu einem Microsoft Large Account Reseller werden.                                                                                                Karl Hoppler, CEO BISON Systems Sie sind einer der Initianten des „Computer -Valleys Sursee“ zu dem heute etwa 40 Informatik-Firmen mit über 1‘000 Arbeitsplätzen gehören. Sie selbst haben den Hauptsitz im modernen, von Ihnen gestalteten Geschäftshaus „Enterprise“ in Sursee. Wieso entschlossen Sie sich, Ihre Ideen abseits der grossen Städte und Bildungszentren umzusetzen?

1983 war Sursee ein landwirtschaftlich orientiertes Zentrum, daher kam auch der Name AGRO-DATA AG. Heute ist Sursee eine spezialisierte Region für Informationstechnologie (IT) und geographisch ideal gelegen. Mit unseren Filialen in Bern und Winterthur haben wir zudem die grossen Zentren ebenfalls erschlossen.Im Geschäftsjahr 2004/2005 bis zum 31. März konnten Sie den Umsatz um 44% auf 86 Mio. Franken steigern (2003/04: 60 Mio. Franken).

Welche konkreten Faktoren haben zu einem solchen Umsatzsprung in einer für IT-Firmen doch eher schwierigen Zeit geführt? 

Die Komplexität hat in unserer Branche stark zugenommen (Security, Storage, Kommunikation etc.). Dies hat interne Informatikabteilungen und kleinere Informatikfirmen in verschiedenen Bereichen überfordert und BISON Systems dank unserem breiten Know-how die Türen geöffnet. Innovationen wie die Point of Information Screens, das Voice-over IP und unsere neue Business Unit „Software Management“ haben zusätzliches Wachstum generiert.
Bei den Kassensystemen haben Sie schon sehr früh auf offene Standards gesetzt und so zum Beispiel die proprietären Lösungen von NCR und anderen Anbietern konkurrenziert. Das heisst aber auch, dass Sie mit geringeren Margen im Hardware-Bereich auskommen müssen und bei den Integrations- und Softwaredienstleistungen bei grösseren Kunden mit internen IT-Abteilungen in Konkurrenz treten. Was macht dieses Segment für Sie trotzdem interessant?
Nachhaltiges Wachstum gibt es vor allem bei Wartungs- und Dienstleistungsaufträgen. Die Hardware liefert für diese Geschäfte lediglich die nötige Grundlage und erlaubt keine hohen Margen mehr. Wir sehen uns nicht als Konkurrenz sondern als unterstützende Partner für interne IT-Abteilungen.
 

Schon 2001 haben Sie die Vision eines „intelligenten Einkaufswagens“ als technisch funktionsfähige Version gezeigt (funkvernetzt mit RFID (Radio Frequency Identifi cation) Tags). Was ist daraus geworden und welche wichtigen Entwicklungen sehen Sie für die nächste Zeit im Bereich Handel?  

Bei RFID ist nicht die Technologie das Problem, sondern die praktische Umsetzung. Die Frage ist, wann wird zum Beispiel Coca-Cola weltweit den Barcode mit einem RFID-Tag ersetzen. Unsere Flugtickets basieren auch noch nicht auf RFID, sondern haben noch das Lochkartenformat aus den 50er Jahren, weil globale Änderungen sehr schwierig umzusetzen sind. Eine praktische Umsetzung von RFID haben wir mit der Firma Bibliotheca in Zug realisiert, welche das Ausleihen von Büchern dank dieser Technologie erheblich vereinfacht. 

Mit den „Publiscreen“ Informations-Flachbildschirmen haben Sie ein neues Segment erfolgreich aufgebaut und zum Beispiel Flughäfen und Einkaufszentren als Kunden gewonnen. Dazu bauen Sie die Flachbildschirme seit neuem auch als dynamische Werbefläche in Zigarettenautomaten ein. An welchen Komponenten und Leistungen verdienen Sie mit dem „Publiscreen“ Geld und wie sieht das Finanzierungsmodell für Ihre Kunden aus? 

Unsere Kernkompetenz ist Projektierung, Lieferung, Installation, Wartung, Betreuung und Finanzierung von Systemen. Wir stellen daher für einen Pauschalpreis die gesamten Systeme zur Verfügung und der Kunde kann diese über Werbecontent refinanzieren.

Da Sie die BISON Systems überall dort positionieren, wo Informatik das hauptsächliche Problemfeld einer komplexen Lösung ist, wäre eigentlich die zunehmende Vernetzung von Wohnhäusern (Zutrittssysteme; intelligente Steuerung von Licht, Wasser, Strom; Media Center etc.) ein interessantes Feld. Welche Pläne haben Sie für dieses Segment?  

Ich glaube an einen Paradigmenwechsel in diesem Bereich. Alles wird irgendwann mit einem standardisierten PC gesteuert, verwaltet und konsumiert. Kassen, Telefone, Plakate und natürlich auch die Unterhaltungsmedien wie Fernsehen, Video, Musik, Foto etc. und selbst die Steuerung von Licht, Wasser, Strom und ähnlichem.
Die nahezu unbegrenzten Möglichkeiten des PCs erhöhen die Komplexität dramatisch und stellen sehr hohe Anforderungen an Verfügbarkeit, Security, Datensicherheit etc. Dadurch werden einige traditionelle Radio/TV-Händler überfordert und es wird zu einem klassischen Thema der IT. Wir werden an der Surseer Warenausstellung SURWA die erste komplette Multimedia-Lösung vorstellen.
 

Sie sind in der Umgebung sehr stark auch im sozialen und politischen Umfeld aktiv und vernetzt.  Negativ könnte man das als Filz, positiv als regionale Verankerung umschreiben. Für die Entwicklung der BISON Systems AG war die regionale Stärke auf alle Fälle wichtig. Wie soll das bei Ihrem Nachfolger/Ihrer Nachfolgerin aussehen, welcher Managementstil und welchen regionalen Bezug        soll er/sie pflegen? 

Die Verfügbarkeit der IT ist für Firmen zunehmend Überlebens wichtig. Daher handelt es sich in äusserstem Masse um ein Vertrauens- und Beziehungsgeschäft, das auf der hohen Kompetenz unser langjähriger Mitarbeiter und dem Führungspersonal basiert. Um diese Mitarbeitertreue zu erreichen ist ein hohes soziales und gesellschaftliches Engagement erforderlich. Dieses Engagement erwarte ich auch von meinem Nachfolger.

Von Ihren 160 MitarbeiterInnen sind 20 als Lehrlinge angestellt. Wie viele von den Lehrlingen werden Sie nach der Lehre weiter beschäftigen und wie ist Ihre Meinung zur Aussage, dass sich die Ausbildung von Lehrlingen heute nicht mehr rechne (zu hohe Kosten, zu schlechte Grund-Ausbildung?  

Die Berufsschule Sursee ist im IT-Bereich spezialisiert. Entsprechende Lehrstellen sind sehr gesucht, was uns ermöglicht kompetente, talentierte Lehrlinge einzustellen und sie schnell in laufende Geschäfte produktiv einzusetzen. Ein Grossteil unserer Mitarbeiter hat schon bei uns die Lehre gemacht. 

Die Abstimmung zur „Ausdehnung des Personenfreizügigkeitsabkommen auf die neuen EU-Staaten“   ist vom Volk angenommen worden. Welche direkten Auswirkungen wird der Entscheid auf Ihr Unternehmen haben?  

Als Unternehmer sehe ich die positiven Seiten für unsere Wirtschaft, was uns wieder zugute kommt. Als Vater von drei schulpflichtigen Kindern erlebe ich allerdings auch die Probleme der mangelnden Integration. 

Sie haben den gleichen Jahrgang wie Mick Jagger. Wie er scheinen auch Sie sich noch nicht mit dem Ruhestand zu beschäftigen. Da die Aktienmehrheit seit 2002 mit 70% bei der PC-Ware liegt, was motiviert Sie noch und wie lange werden Sie CEO der Bison Systems bleiben? 

BISON Systems ist mein Baby, und Erfolg motiviert. Erste organisatorische Massnahmen auf operativer Ebene wurden aber bereits eingeleitet. Einen „Ruhestand“ werde ich noch lange nicht haben, da ich aufgrund meines breiten Engagements auch in einigen Jahren noch aktiv sein werde. 

Zum Schluss des Interviews haben Sie zwei Wünsche frei, wie sehen diese aus?

Einerseits wünsche ich meinen Kindern, dass sie ein ebenso erfülltes Leben in einem entsprechenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umfeld erleben können wie ich. Anderseits hoffe ich meine Klassierung im Tennis noch 10 Jahre lang halten zu können.